Eine Liebesgeschichte – mal Märchen, mal Rock
Die Musicalgruppe St. Thomas feiert nach 22-monatiger Probenarbeit eine spektakuläre Premiere mit “Die Schöne und das Biest”
Von Stephan Querfurth
WOLFENBÜTTEL. Unglaublich, was die Musicalgruppe St. Thomas am Freitagabend in einer mehr als dreistündigen Premiere ihren mehreren Hundert Zuschauern geboten hat.
Eine Premiere, fantastisch, quirlig und still war da zu erleben, märchenhaft und rockig, voller Esprit und traumschön.
“Die Schöne und das Biest” heißt die neue Produktion, die die seit 17 Jahren bestehende und in der Region viel beachtete Musicalgruppe in neuer Besetzung auf die Bühne gebracht hat.
Unter Leitung von Emanuel Berndt, Felix Schirmer, Maren Vogel und Werner Heise hat das Ensemble in 22-monatiger, harter Probenarbeit die Liebesgeschichte der schönen Bella und eines zu einem Biest verwandelten Prinzen auf die große Bühne des Altarraumes in St. Thomas gebracht. Die Regie hat für die Inszenierung Elemente der Burleske, des Dramas, der Tragödie, des Boulevardtheaters, der Komödie, eines brechtschen Lehrstücks sowie des klassischen Tanztheaters und des modernen Balletts geschickt vernetzt. Der Inhalt beschreibt märchenhaft die alte Parabel, wie das Gute, allein durch seinen Glauben an die Liebe, das Biest aus seiner Hässlichkeit als Menschenfeind und Ignorant schließlich erlöst. Es bleibt das Erkennen: Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Magische Orte und zauberhafte Wesen, lyrische Dialoge und dramatische Episoden wechseln in den einzelnen Szenen. Die Charaktere der Hauptrollen wurden bis ins Äußere verdichtet. In seiner Rolle als Biest brillierte Werner Heise.
Wild, verletzt, gekränkt und zärtlich angerührt interpretierte er den gefürchteten und unverstandenen Sonderling. Stark dabei waren Körpersprache, Gesang und der Wechsel von dramatischem und lyrischem Ausdruck in seiner Darstellung.
Ebenso überzeugend auch Milena Amelang als willensstarke und reflektierende Bella.
Daniela Stephan als Fee und besonders Christina Maria Behme als Mathilde hinterließen durch ihre gesangliche Leistung Eindruck. Auch Marc-André Lenz als gockelnder Gustav zeigte seine Stärke im Gesang.
Das die Darsteller begleitende Ensemble beeindruckte in vielen pantomimischen Szenen mit Liebe zum Detail. Als Sessel schöpfte Charlotte Neumann beispielsweise ihre sprachlose Rolle völlig aus.
Das begleitende Orchester aus jugendlichen Musikern bewies sich mehr als semiprofessionell. Die ausgefeilte und gut eingesetzte innovative Lichtgestaltung verlieh der Aufführung nahezu greifbaren Glanz.
Anmerkung des Web-Teams: Leider hat sich seitens der Braunschweiger Zeitung ein Fehler eingeschlichen. Die “Bella” wurde am Premierenabend von Linda Niemann gespielt.